Archiv für Bahn

Stuttgart – Flight distance ?

Veröffentlicht in Bahn mit Tags , , , am 17. Dezember 2005 von Christian Louis

Wer jemals in einer Unternehmensberatung gearbeitet hat, der wird den legendären Begriff „flight distance“ kennen. Er bezeichnet die Art von Entfernung, bei der es wirklich sinnvoll ist, sich in den Flieger zu setzen anstatt mit einem PKW oder den Öffentlichen Fernverkehrszügen anzureisen. Die magische Grenze liegt bei ca. 4 Stunden Zugfahrt.
Für Hamburg ist also irgendwie alles deutlich südlicher von Frankfurt – sprich, alles was südlich des „Ruhrpotts*“ liegt – als flight distance anzusehen.

Ich selbst handle meist auch so, denn ich finde Bahnfahren auch bei 4-Stunden-Trips durchaus interessant:

- von mir zu Hause brauche ich ca. 10 Minuten zu Fuß zum Bahnhof; zum Flughafen dauert es eine gute halbe Stunde mit jeder Form von Verkehrsmittel.

- Wenn ich zum Bahnhof hechte, reicht es, wenn ich 3 Minuten vor Abfahrt da bin; in vielen Fällen auch 10 Minuten nach planmäßiger Abfahrt, aber das ist ein anderes Thema :)
Beim Flieger muß ich schon ne Stunde vorher am Flughafen sein, um Check In und Boarding hinzbekommen.

- Bei der Bahn setze ich mich dann auf meinen Platz, pröddle mein Gepäck irgendwo hin und fang’ an zu arbeiten (oder ab und an zu bloggen) während mein iPod läuft. Mein Mobile ist dabei auch angeschaltet, ich bin also zumindest sporadisch in der Lage, mit meiner Umwelt Kontakt aufzunehmen. Desweiteren habe ich ein gutes Bordrestaurant und Toiletten, die ich jederzeit aufsuchen kann. Ich kann mich innerhalb des Zugs auch frei bewegen.
Wenn ich fliege, dann muß ich mich erst mal anschnallen. Es gibt kein Bordrestaurant, dafür aber ein Freigetränk am Platz. Arbeiten kann ich auch erst nach dem Start und bis zur Landung, effektiv innerdeutsch also nur 30-40 Minuten, je nach Flugdauer. Handgepäck darf ich auch nur ein Stück mitnehmen. An Erreichbarkeit per Mobiltelefon während dieser Phase ist mal überhaupt nicht zu denken! Man könnte ja das Flugzeug zum Absturz bringen :)

- Wenn ich mit der Bahn angekommen bin, schnapp’ ich mir meine Sachen, steige aus und bin IM ZENTRUM. Flughäfen liegen zumeist außerhalb der Stadt, weil sie viel mehr Fläche benötigen und auch sehr viel Krach machen. Darüberhinaus muss ich – da ich meistens mit Koffer UND Notebook unterwegs bin, erst mal aufs Gepäck warten. Bis ich dann aufm Flughafen wieder rausgefunden habe und in der S-Bahn gen Zentrum sitze, dauert es auch wieder ewig.

Eine wirkliche Zeitersparnis hat man also in den wenigsten Fällen. Dennoch wollte ich letztlich nach Stuttgart und daher fliegen. Kostenbewußt habe ich den Flug eine halbe Ewigkeit im Voraus gebucht (erwähnte ich bereits, dass das Bahn-Preismodell da deutlich unkomplizierter ist und deutlich mehr Flexibilität möglich macht?) und es kam wie es kommen mußte…

Da ich beruflich im Rheinland zu tun hatte, habe ich den Hinflug nicht wahrnehmen können. Jetzt aber kommt der wichtige Part, den man nicht unterschätzen darf: Nichtaufkreuzen auf dem Hinflug bedeutet automatisch, dass die Reservierung des Rückflugs ebenfalls verfällt (wie will man den denn auch wahrnehmen? Man ist ja logischerweise nicht an dem Ort, von dem der Flieger wieder zurück geht, weil man ja gar nicht erst HINGEFLOGEN ist… Insellogik!). Dank eines Hinweises flugerfahrenen Kollegen und mit Hilfe unseres subkompetenten Reisebüros ist es mir immerhin gelungen, Schadensbegrenzung zu betreiben und 3 Stunden vor Abflug Steuern und Gebühren erstattet zu bekommen. Leider war es natürlich nicht mehr möglich, einen auch nur halbwegs preislich attraktiven Ersatzflug zu bekommen. Und bei einem Delta von 200 EUR finde ich auch 5 Stunden Zug noch zumutbar.

Erwähnte ich eigentlich, dass ich NATüRLICH auch noch so kurzfristig bei der Bahn eine Sitzplatzreserverung bekommen habe und zusätzlich noch dank 1-Stunden-Takt der Züge an einem Meeting in Stuttgart teilnehmen konnte, dass ich fliegend verpasst hätte? Und deshalb denke ich echt über eine Bahncard 100 nach…

* Ihr wißt schon: für den geographisch gebildeten Hamburger ist ja eh alles zwischen Münster und Mainz „Pott“.

[M'r losse de Dom in Kölle (remixed) - Bläck Föös; kurz vor Mannheim]

Bahn.bonus Prämien

Veröffentlicht in Bahn mit Tags , , am 16. Dezember 2005 von Christian Louis

Nachdem ich die bahn.comfort – Grenze von ca. 2000 EUR Umsatz bei der BundesBahn schon vor einigen Monaten hinter mir gelassen habe und seitdem gern gesehener Gast in diversen Bahn Lounges bin, sammle ich ja auch seit Beginn des Programms fleißig bahn.comfort Punkte. Pünktlich zum 1.12. hatte ich dann auch weitere 1000 EUR Umsatz bei der Bahn zusammen und komme damit in den Genuß, mir eine tolle Prämie wie den übergang in die erste Klasse für eine Bahnfahrt meiner Wahl auszusuchen.

Leider spielen die Prämien irgendwie alle in der Liga von „Verzehrgutschein“ bis „Freifahrt“, coole und stylische Dinge aus dem Bahnshop 1435 sind nicht darunter. Außerdem kann man die Prämen leider nicht „on the fly“ mithilfe der Bahncard und einer PIN nutzen, sondern muß vorher einen Gutschein dafür beantragen.

Ich werde mich „die Tage“ jedoch mal für einen Gutschein entscheiden – entweder einen übergang in die erste Klasse oder Verzehrgutscheine, mit denen ich mal das Bordrestaurant ausprobieren kann. Sobald ich erste Experimente in diese Richtung gewagt habe, werde ich das natürlich im Weblog berichten.

Dennoch zeigt mir die Leichtigkeit, mir der ich diese Punkte zusammengesammelt habe, dass ich inzwischen doch eher zu den passionierten Bahnfahrern gehöre, auch wenn mein Job einen großen Teil davon ausgemacht hat. Aber, im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln, insbesondere dem Flugzeug, ist die Bahn durchaus sehr reizvoll… doch mehr dazu die Tage.

Ach: kleines Bahn-Allgemeinwissen:

Frankfurt ist ein Sackbahnhof. Wenn man also rückwärts sitzend einfährt, wird man vorwärts fahrend wieder rausfahren. Allerdings aufgemerkt – wenn man danach über Frankfurt Flughafen in Richtung Stuttgart fährt, dreht sich die Fahrtrichtung erneut um. Gilt übrigens auch für die Rückrichtung :)

[I believe - Bon Jovi; auf dem Weg nach Mannheim]

Christian op tour

Veröffentlicht in Bahn, General, op tour mit Tags , , am 15. Dezember 2005 von Christian Louis

Wahrscheinlich ist Euch aufgefallen, dass ich nicht mehr a priori blogge, wann ich mich wo rumtreibe. Falls Ihr Euch fragt, warum das so ist: Es gibt dazu zwei Gründe:

Die Resonanz auf die „Ach, ich bin die Tage dort und dort, ruft durch, wenn Ihr Bock auf ein Bier habt“ war sehr niedrig, um nicht von „nichtvorhanden“ zu sprechen

Eine immer-noch-nicht-bloggende liebe Freundin, deren „Lieblingsband“ ;) ich gerade höre, hat mich darauf hingewiesen, dass die Kombination aus Veröffentlichung der Adresse und des persönlichen Wochenplans incl. Abwesenheiten nicht gerade clever ist. Ich glaube zwar nicht unbedingt, dass Einbrecher regelmäßige Blogleser sind, aber man weiß ja nie…

[Lunik - Backup; 20 Minuten vor Frankfurt]

Bahnbeobachtungen

Veröffentlicht in Bahn, IT-Stuff, op tour mit Tags , , , am 5. Dezember 2005 von Christian Louis

Ich genieße das Bahnfahren bekanntermaßen ja sehr – Zeit, um die Gedanken schweifen zu lassen, zwischendurch ein wenig zu ratzen oder – wie auch diesmal wieder – Eindrücke von Mitreisenden zu sammeln:

Am Nebentisch sitzt ein Mädel, deren Alter echt schwierig zu schätzen ist: könnte von 16 bis 24 irgendwie alles sein. Die gelb-grün-rosa-karierten Socken sind da zumindest nicht besonders aussagekräftig. Lustig dabei ihr Handgepäck: ein iPod, ein iBook und ein Schnuffeltier.

Ob Sina’s Patentochter wohl auch später mal ganz selbstverständlich mit einem ultraschicken Lenovo-Thinkpad und einer nicht weniger chicen Zahnspange durch die Gegend reisen wird?!

Braucht man heute wirklich einen iPod um hip zu sein? Und ist das festplattendicke Standardmodell noch gut genug, oder muss es wie in meinem Kollegenkreis jetzt en vouge, der wirklich superflache iPod Nano sein? Erwähnte ich eigentlich, dass sich Qualität durchsetzt? Und Thinkpads die mit Abstand verbreitesten Business-Notebooks in Zügen sind? Und auch iPods die verbreitetsten tragbaren Musikplayer? Auf was man nicht so alles achtet, wenn man unterwegs ist…

[Brings, Drachesteije; vor Hamburg-Harburg]

Berlin im Winter

Veröffentlicht in Bahn, Berlin, op tour mit Tags , , , , , am 28. November 2005 von Christian Louis

Nachdem ich die Tage mal wieder für eine Kundenvortragsreihe in Berlin war, habe ich festgestellt, dass das Wetter dort doch einen Hauch schattiger ist als in Hamburg. Daher muss ich für den 22C3-Trip doch mal meinen Wintermantel ausmotten.

Da die Veranstaltung nur bis mittags ging, habe ich die Gelegenheit genutzt und einen lieben Freund von mir besucht, den ich seit nun fast 20 Jahren kenne; der pendelt nämlich jobtechnisch gerade für ein Projekt zwischen Paris und Berlin hin- und her. War schon ein lustiger Anblick: wir beiden in Anzügen beim „Business Lunch“ ;) Ungewöhnlich, aber wird uns die nächsten Jahrzehnte wahrscheinlich häufiger passieren.

Leider ist er zwischen den Jahren nicht in der Stadt; aber wir haben ja Lars dabei, der sich ja vielleicht zum Touri-Guide breitquatschen läßt.

Ansonsten habe ich beim Berlin-Trip zwei verwirrende Dinge festgestellt:

a) Auch in U-Bahn-Tunneln hat man dort D2-Empfang. Auf der Freifeldstrecke zwischen Hamburg und Berlin versagt das Mobilnetz jedoch kläglich

b) Haike, unsere Berliner Empfangsdame kennt meinen Namen! Zumindest kam sie, als sie mich gesehen hatte, schlagartig mit dem passenden Schild um die Ecke. Und dass, obwohl wir uns erst zwei- oder dreimal gesehen und nichtmal groß gesprochen haben…

[Bläck Föös, En unserem Veedel; zwischen Wittenberge und Hamburg]

”Sie” unter Kollegen

Veröffentlicht in Bahn, op tour mit Tags , am 13. November 2005 von Christian Louis

letztlich wurde ich Zeuge einer sehr bizarren Situation:

Ein Kollege und seine Kollegin sitzen sich im Zug neben mir gegenüber und lästern .. äh.., unterhalten sich angeregt über das Sexualleben der Kollegen. Allerdings sprechen sich diese beiden Kollegen mit „Sie“ an. Bizarre Situation, über die ich als Mitarbeiter einer Firma, in der eine „Jeder duzt jeden“ Policy existiert, nur noch schmunzeln kann. Sicherlich hat es auch Vorteile, sprachlich auf Distanz zu bleiben, ich selbst habe es bislang jedoch eher als vorteilhaft erlebt, da es die Kommunikation innerhalb des Unternehmens doch vereinfacht.

Desweiteren sind die beiden erst um 11h zu Hause und haben sich daher bei ihrem Chef die Ausnahmegenehmigung geholt, morgen ne Stunde später zur Arbeit zu erscheinen.

Ich muss sagen, ich bin echt froh, dass unsere Firmenkultur doch deutlich anders ist.

Platzreservierungen

Veröffentlicht in Bahn, Frankfurt, General, Hamburg, op tour mit Tags , , , am 3. November 2005 von Christian Louis

.. sind echt praktisch. Insbesondere freitags auf der Strecke Frankfurt-Hamburg. ICH hab eine. die 20 Leute, die im Gang stehen nicht *eg*.

Desweiteren ein Hinweis an alle Gelegenheits-Bahnreisenden:
Draussen an den wagen, da stehen manchmal (genauer: fast immer mit Ausnahme des ICE3) so seltsame Ziffern wie beispielsweise 11-68 oder 81-109. Das ist kein Voodoo. Das hat auch nix mit bahninternen Codes zu tun. Das sind Sitznummern. Und, an jedem Wagon stehen an einer Tür die niedrigen Nummern und an der anderen die hohen. Wenn man das mit der eigenen Reservierung vergleicht, kann man wurderbar ermitteln, welcher Eingang strategisch günstiger ist. Und wenn das alle machen würden, dann könnte man vielleicht sogar die unausweichliche Kollision mit Ausweichmanövern auf die Schöße der umliegenden Passagiere in der Mitte eines jeden Wagens vermeiden. Vielleicht.. ich bin ja noch Optimist!

[keine Mukke, kurz hinter Göttingen]

Countrymusik revisited

Veröffentlicht in Bahn, General, op tour mit Tags , am 25. Oktober 2005 von Christian Louis

Musik scheint wirklich eine wichtige, von mir jedoch total vernachlässigte Rolle in meinem Gefühls- und auch Arbeitsleben zu spielen. Das stelle ich zumindest gerade – zwischen Hamburg-Harburg und Bremen und nur noch Stunden vor einer Konzept-Deadline – fest. Ich sitze gerade in einem total überfüllten IC (Sitzplatzreservierung und Dreiersteckdose sei dank kann ich aber dennoch arbeiten), aber dank NACM fließen die Zeilen nur so aus mir heraus.
Vielleicht sollte man diese Form von Musik ja unterschwellig in Büros als neuen Radiosender anbieten? Hey, schon wieder eine genialer Businessplan.

[Keith Urban, You won; irgendwo zwischen Hamburg-Harburg und Bremen]

Zigarettenpromo

Veröffentlicht in Bahn, General, Hamburg, Städte, op tour mit Tags , , , am 24. Oktober 2005 von Christian Louis

Eike – mein Pate [nein, nicht dieser Pate] – war die Tage mal wieder beruflich in Hamburg unterwegs. Also, Gelegenheit am Schopfe gepackt und mal wieder abends losgezogen, auch um drei bis fünf Worte geradeaus zu reden.
Diesmal wurde unser Schnack, wie kiezüblich, unterbrochen. Nein, nicht von dem Polariod-Mann, auch nicht von einem Rosenverkäufer, sondern von einer jungen Dame, die Zigarettenpromo gemacht hat.
Interessant, welche Auflagen inzwischen erfüllt werden müssen:

- Nichtraucher dürfen nicht bei Gewinnspielen mitmachen
- Nichtraucher dürfen weiterhin keine Feuerzeuge als Werbegeschenke bekommen, die kriegen nur CDs
- Zigaretten dürfen auch nicht mehr kostenfrei zum Probieren angeboten werden; stattdessen werden die jetzt verkauft
- Offensichtlich sind auch Zigarettenfirmen auf den Internet-Zug aufgesprungen; sie sind nämlich an E-Mail-Adressen deutlich interessierter als an Postadressen
- Im Dienst dürfen die Promomenschen nur die Zigarettenmarke rauchen, die sie gerade bewerben
- Aber: um Promo machen zu dürfen, muss man nicht Raucher sein….

Ist da etwa eine EU-Verordnungslücke?? :)

[Höhner, Wo mir sin is Kölle; irgendwo zwischen Hamburg-Harburg und Hannover]

Fußballfans

Veröffentlicht in Bahn, General, op tour mit Tags , am 23. Oktober 2005 von Christian Louis

Die Tage saß mir im Zug gegenüber ein junges Mädel, maximal Anfang Hauptstudium (anscheinend Geschichte, der Lektüre nach). Insgesamt machte sie einen ziemlich jungen und fast zerbrechlichen Eindruck. Interessant war dann, als sie ihr Filofax herauskramte und ein paar Notizen machte. Dabei stellte mein Sitzgegenüber nämlich fest, dass sich eine Auflistung der kompletten Heim- und Auswärsspieltermine von Hansa Rostock auf einer Seite verbarg; offensichtlich handelte es sich bei diesem Mädel um einen Hardcore-Fan, die sogar zu Auswärtsspielen extra anreist.
Wie Optik doch manchmal täuschen kann – oder: stille Wasser sind tief.

[Delta Goodrem, Out of the Blue; zwischen Bremen und Hamburg-Harburg]